Viktor von Weizsäcker Gesellschaft 

Band 9 :
Fälle und Probleme. Klinische Vorstellungen

Bearbeitet von Peter Achilles, Martin Schrenk unter Mitwirkung von Dieter Janz, Mechthilde Kütemeyer, Wilhelm Rimpau und Walter Schindler (1988, 752 Seiten)

Band 9 der Gesammelten Schriften enthält kasuistische Vorlesungen, die Viktor von Weizsäcker als Professor für „Allgemeine klinische Medizin“ nach dem Zweiten Weltkrieg in Heidelberg hielt, außerdem eine theoretische Einführung in die Medizinische Anthropologie aus der gleichen Zeit. So gibt dieser Band einen Einblick in den Zusammenhang von Theorie und Praxis, von Medizinischer Anthropologie und Anthropologischer Medizin.
Die Vorlesungen hinterließen bei ihren Hörern einen außerordentlich nachhaltigen Eindruck. Viktor von Weizsäcker improvisierte sie meist aus wenigen Notizen. Die Texte haben den Charakter des gesprochenen Wortes behalten, da sie ohne eingreifende Bearbeitung mit ihren sprachlichen Eigentümlichkeiten wiedergegeben sind. Von der Vorstellung eines Patienten und seiner Geschichte ausgehend, führen sie zu Grundproblemen der Medizinischen Anthropologie. Sie zeigen Viktor von Weizsäckers Umgang mit den Kranken und vermitteln so die „Gesinnung“ und die Methode seiner Anthropologischen Medizin.
Der Zusammenhang von klinischer Erfahrung und theoretischer Reflexion wird in diesen Vorlesungen mit jedem Krankheitsfall neu dokumentiert. Nach der Konzeption des Gestaltkreises können wir die Welt nicht erkennen, ohne sie zugleich zu verändern. Entsprechend gewinnt die Anthropologische Medizin klinische Erfahrung nicht aus der Anwendung objektiver Erkenntnis auf den Einzelfall, sondern der „Umgang“ mit dem Kranken entscheidet darüber, in welcher Weise das Krankheitsgeschehen erscheint. Im Umgang von Arzt und Krankem entsteht ein gemeinsam gestaltetes Bild der psychosomatischen Krankengeschichte. So weisen die Vorlesungen darauf hin, daß die je einmalige Begegnung mit dem einzelnen Kranken für die Theorie einer Anthropologischen Medizin unverzichtbar ist.