Viktor von Weizsäcker Gesellschaft 

Band 6 :
Körpergeschehen und Neurose. Psychosomatische Medizin

Bearbeitet von Peter Achilles unter Mitwirkung von Dieter Janz, Mechthilde Kütemeyer, Wilhelm Rimpau, Walter Schindler und Martin Schrenk (1986, 638 Seiten)

Psychosomatische Medizin ist für Viktor von Weizsäcker keine Spezialdisziplin der im übrigen ausschließlich naturwissenschaftlichen Medizin; Psychosomatik ist für ihn vielmehr der Inbegriff einer gewandelten Medizin, die mit der „Einführung des Subjekts“ durch und durch psychosomatisch sein wird. Sofern Krankheit für den Menschen eine „Gelegenheit“ ist, „er selbst zu werden“, bietet sie den Ausgangspunkt einer heilsamen Revision unseres Zusammenlebens, unseres Wirklichkeits- und Naturverständnisses. Diese so verstandene psychosomatische Medizin nennt Weizsäcker auch anthropologische Medizin.
Band 6 der Gesammelten Schriften Viktor von Weizsäckers enthält Arbeiten, die den Zugang zur Wandlung der Medizin von dem im engeren Sinn psychosomatischen Thema „Körpergeschehen und Neurose“ her beleuchten. Wie der Inhalt der gleichnamigen Studie zeigt, bedeutet dies für Weizsäcker die ständige Vermittlung von Psychoanalyse, Gestaltkreisforschung, sozialmedizinischer Arbeit, Philosophie, Theologie und den Erfahrungen im Umgang mit dem Kranken. In der Mitte des chronologisch geordneten Bandes stehen zwei im Werk Weizsäckers zentrale Monographien: „Körpergeschehen und Neurose“ (1933) und „Studien zur Pathogenese“ (1935).
Weizsäcker bezeichnet die Studie „Körpergeschehen und Neurose“ als „die für meine gesamte weitere Forschung entscheidende.“ Es entstand in ihr „unvermerkt eine Art von neuer Anthropologie“, die über die Psychoanalyse hinausging, „indem nämlich die Konstellation der Umwelt samt Organismus wesentlich in den Begriff Mensch einbezogen wurde.“ Während „Körpergeschehen und Neurose“ am Fall der psychoanalytischen Behandlung einer Miktionsstörung und der Untersuchung einer in diesem Zusammenhang aufgetretenen Angina tonsillaris Formalismen des Krankheitsgeschehens (Krise, Stellvertretung, Es-Bildung) erarbeitet, bekommen in den „Studien zur Pathogenese“ auf einer breiteren kasuistischen Basis die biographischen Inhalte (Sexualität, Moral, Person, Religion) mehr Gewicht.