Viktor von Weizsäcker Gesellschaft 

Band 5 :
Der Arzt und Der Kranke. Stücke einer Medizinischen Anthropologie

Bearbeitet von Peter Achilles unter Mitwirkung von Dieter Janz, Mechthilde Kütemeyer, Wilhelm Rimpau, Walter Schindler und Martin Schrenk (1987, 440 Seiten)

Band 5 der Gesammelten Schriften vereinigt die frühen Arbeiten Viktor von Weizsäckers zur medizinischen Anthropologie von 1926 bis zum ersten zusammenfassenden Überblick 1934 (Ärztliche Fragen). Aus „philosophischen und religiösen Antrieben heraus“ sollte der Mechanismus und Materialismus der Medizin überwunden werden: „auf halbem Wege stellte sich die Psychologie als Helferin ein.“ Hinzu kam ein „ganz aufrichtiges Unbehagen an der Ausübung unseres Berufes.“ So stehen nicht philosophische und theologische Theorien im Zentrum, sondern die Frage, ob es „ein ursprüngliches Wesen der ärztlichen Situation gibt“, „eine Sache, welche nicht durch die Kultur, durch das Menschentum, durch eine religiöse Botschaft erst erzeugt wird, sondern von der aus vielmehr Antrieb und Hinweise zur Tätigkeit von Kultur, Humanität und Religion erst erfolgen.“ In den Jahren 1926 bis 1928 veröffentlichte Weizsäcker in der Zeitschrift Die Kreatur, die er zusammen mit Martin Buber und dem von der Kirche bekämpften Katholiken Joseph Wittig herausgab, drei Aufsätze als „Stücke einer medizinischen Anthropologie“. Das Thema „Der Arzt und der Kranke“ – so der Titel des ersten Aufsatzes – wird zum Leitthema der medizinischen Anthropologie. Weizsäcker findet in der Beziehung von Arzt und Krankem das „Ärztlich-Eigentümliche“, den Ursprung des ärztlichen Erkennens und das Zentrum ärztlichen Handelns. In dieser Beziehung erweist sich ein Zusammenhang von Krankheit und Unwahrheit bzw. von Gesundheit und Wahrheit. Gegenüber dem „Liebesverlust und damit Wirklichkeitsverlust in der objektiven Denkform“ kann die Krankheit in der Gestaltung der ärztlichen Beziehung endlich erscheinen als das, was sie ist, nämlich als „Anerbietung eines Wissens um die Wahrheit“: „Solche Auffassungen möchte ich am liebsten weder philosophische, noch psychologische, noch biologische, sondern anthropologische nennen.“ In diesem Sinne sind alle Texte dieses Bandes „Stücke einer medizinischen Anthropologie.“