Viktor von Weizsäcker Gesellschaft 

Band 2 :
Empirie und Philosophie. Herzarbeit / Naturbegriff

Bearbeitet von Peter Achilles, Walter Schindler unter Mitwirkung von Rainer-M.E. Jacobi, Dieter Janz, Mechthilde Kütemeyer und Wilhelm Rimpau (1998, 592 Seiten)

Die in diesem Band enthaltenen frühen Arbeiten Viktor von Weizsäckers dokumentieren das spannungsvolle Nebeneinander von Naturwissenschaft und Naturphilosophie, das, als vorläufige Antwort Weizsäckers auf das einseitige klassischnaturwissenschaftliche Denken der Medizin, seine Studien- und Assistenzzeit bestimmte. Nach dem Ersten Weltkrieg begriff er dieses „Doppelleben“ als Ausdruck des Versagens empirischen und philosophischen Erkennens vor der Aufgabe, einen verantwortlichen Umgang mit der Natur und der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu ermöglichen. Aus dieser Krisenerfahrung entstand Weizsäckers Versuch, zunächst aus einem religiösen Impuls durch Wissenschaftskritik und Philosophiekritik, später aber durch die Entwicklung einer medizinischen Anthropologie, d.h. durch eine veränderte Auffassung der Naturvorgänge, zur Überwindung der „Spaltung der Vernunft“ beizutragen. Die Konflikte zwischen Naturwissenschaft, Philosophie und Theologie sowie die Frage nach ihren individuellen und historischen Auswirkungen geben den Texten des Bandes mehr als nur historische und biographische Bedeutung. Sie tragen bei zum Verständnis der Konflikte gegenwärtiger Medizin, die vor diesem Hintergrund entstanden sind.