Krankheit und Kreativität

Krankheit und Kreativität – gibt es einen Nutzen der Krankheit?

Der therapeutische Optimismus moderner Medizin gründet in der erfolgreichen Beseitigung und Vermeidung von Krankheit. Auch Schmerz und Verzweiflung sind Anlass zur Therapie. Doch wie alle Erfolge macht auch dieser blind: die Frage nach Krankheit und Kreativität, also nach dem Wert der Krankheit für den Lebensweg eines Menschen gerät ins Abseits. Nicht selten aber waren es Schmerz, Krankheit und Verzweiflung, die zur Entstehung großer Werke beitrugen. Für die Malerei, die Literatur oder die Philosophie hält die jüngere Vergangenheit markante Beispiele bereit: Vincent van Gogh und Paul Klee, Fjodor Dostojewski und Rainer Maria Rilke, sowie Sören Kierkegaard und Franz Rosenzweig.

In der Medizinischen Anthropologie Viktor von Weizsäckers erschöpft sich die Bestimmung des Menschen nicht darin, nur gesund zu sein. Als einer Weise des Menschseins kommt der Krankheit besondere Bedeutung zu. Nicht nur wird sie als Notsituation für andere zum Anlass der Hilfe und stiftet so Begegnungen und neue Lebensräume, sie vermag vielmehr auch dem kranken Menschen selbst zur Hilfe zu werden. Freilich zu einer Hilfe von anderer Art: sei es vertiefte Selbsterkenntnis oder die Entbindung kreativer Impulse. Krankheit trägt dann nicht nur zur Bestimmung des Lebensweges bei, sie kann auch als Preis für eine Lebenswerk verstanden werden.

Dieser These soll am Beispiel literarischer Selbstzeugnisse Fjodor Dostojewskis, Rainer Maria Rilkes und Friedrich Hölderlins näher nachgegangen werden. Im Mittelpunkt des Interesses wird die Selbstwahrnehmung der Krankheit bei Dostojewski stehen. Der Wert dieser literarisch reflektierten Selbstwahrnehmung nicht nur für die Bestimmung des eigenen Lebens, sondern mehr noch für die Aufklärung der Krankheit, scheint in diesem Fall am deutlichsten belegt zu sein. Hierzu werden ausgewählte Briefe Dostojewskis an seine Frau Anna und eine klassische Studie Paul Vogels gelesen. Zur Vorbereitung sei außerdem auf eine Untersuchung des chilenischen Psychiaters Otto Dörr-Zegers zu Rilkes Umgang mit der Krankheit hingewiesen.

Das Verständnis der Krankheit als einer bestimmten Weise des Menschseins der noch andere Bedeutung zukommt als beseitigt zu werden, kennzeichnet Weizsäckers Werk im Ganzen. In exemplarischer Absicht sei ein Vortrag an der Ev. Akademie Bad Boll aus dem Jahr 1946 zur Lektüre ausgewählt (Von den seelischen Ursachen der Krankheit, Gesammelte Schriften, Bd. 6, S. 399-419, Frankfurt/M. 1986).

Im Interesse eines intensiven Gesprächs ist allen Tagungsteilnehmern zu empfehlen, die genannten Texte vorab zu lesen. Auf Wunsch senden wir Ihnen die Texte gerne zu. Hierfür wird ein leicht erhöhter Tagungsbetrag erhoben.

Herzliche Einladung:

Thomas von Pavel, Ev. Akademie Iserlohn

Rainer-M.E. Jacobi, Viktor v. Weizsäcker Gesellschaft

Programmablauf

 

 

 

Freitag, den 30. 04 2004

17.00 Uhr

Anreise

18.00 Uhr

Abendessen

19.30 Uhr

Krankheit und Kreativität am
Beispiel Fjodor Dostojewskis
Prof. Dr. med. Dieter Janz, Berlin,
Neurologe, em.

21.00 Uhr

Treffpunkt Foyer

 

 

Samstag, den 01. 05. 2004

8.15 Uhr

Frühstück

9.00 Uhr

Fjodor Dostojewski: Briefe an Anna
Vorbemerkungen von Dieter Janz
Gemeinsame Lektüre und Austausch im Gespräch

10.30 Uhr

Stehkaffee

11.00 Uhr

Paul Vogel: Von der Selbstwahrnehmung der Epilepsie.
Der Fall Dostojewski

Fortsetzung der Lektüre

12.30 Uhr

Mittagessen

14.00 Uhr

Kaffeetrinken

15.00 Uhr

Krankheit und die Frage nach
der Bestimmung des Menschen.
Einführung in die Lektüre Viktor
von Weizsäckers I

Rainer-M.E. Jacobi, Bonn

15.45 Uhr

Kaffeepause

16.15 Uhr

Fortsetzung

18.00 Uhr

Abendessen

19.00 Uhr

Film zum Thema

21.00 Uhr

Treffpunkt Foyer

 

 

Sonntag, den 02. 05. 2004

8.00 Uhr

Andacht in der Kapelle
anschl. Frühstück

9.30 Uhr

Krankheit und Kreativität am
Beispiel Friedrich Hölderlins

Dr. phil. Fabian Stoermer, Literaturwissenschaftler, Berlin

10.30 Uhr

Stehkaffee

11.00 Uhr

Fortsetzung

12.30 Uhr

Mittagessen, anschl. Abreise

 

 

Literatur

VOrganisatorische Hinweise und Geschäftsbedingungen

 

 

 

-          Otto Dörr-Zegers, Das psychische Leiden des Genies. Der Fall Rainer Maria Rilke, in: Jacobi, R.-M.E., Claussen, P.C., Wolf, P. (Hrsg.), Die Wahrheit der Begegnung. Festschrift für Dieter Janz, S. 431-448. Würzburg 2001.

-          Fjodor Dostojewski, Die Briefe an Anna. (1866-1880). Königstein 1986.

-          Karl Jaspers, Strindberg und van Gogh (1922). Mit einer Einführung von Maurice Blanchot. Berlin 1998.

-          Adolf Muschg, Literatur als Therapie? Ein Exkurs über das Heilsame und das Unheilbare. Frankfurt/M. 1981.

-          Uwe Hendrik Peters, Hölderlin. Wider die These vom edlen Simulanten. Reinbek bei Hamburg 1982.

-          Hubertus Tellenbach, Schwermut, Wahn und Fallsucht in der abendländischen Dichtung. Hürtgenwald 1992.

-          Paul Vogel, Von der Selbstwahrnehmung der Epilepsie. Der Fall Dostojewski. Der Nervenarzt 12 (1961), S. 438-441.






Bild auf der Vorderseite:
Max Beckmann, Bildnis Dostojewski II, 1921,
Radierung

Organisatorisches

 

Tagungsleitung:

Pfr. Thomas von Pavel, Ev. Akademie Iserlohn

Rainer-M.E. Jacobi, Viktor v. Weizsäcker Gesellschaft Bonn

 

Tagungssekretariat:

Monika Claus

02371 / 352-147

Fax:

02371 / 352-130

e-mail:

m.claus@kircheundgesellschaft.de

Tagungskosten:

Einzelzimmer m. Vollpension:

90 € / erm. 52,50 €

Doppelzimmer m. Vollpension:

75 € / erm. 37,50 €

ohne Übernachtung / Frühstück:

48 € / erm. 24,00 €

zuzüglich Tagungsgebühr:

36 € / erm. 18,00 €

Wir bitten, die Tagungskosten bei Ankunft zu begleichen. Sie können mit EC-Karte und Geheimzahl bezahlen.

Die ermäßigten Preise gelten für SozialhilfeempfängerInnen, Arbeitslose, Wehr- und Zivildienstleistende sowie für SchülerInnen, StudentInnen und Auszubildende bis zum Alter von 35 Jahren. Eine Ermäßigung kann nur bei Teilnahme an der gesamten Tagung gegen Vorlage einer entsprechenden Bescheinigung gewährt werden.

Anmeldung:

Bitte melden Sie sich frühzeitig an. Sie erhalten eine Anmeldebestätigung mit Anfahrtsbeschreibung. Ihre Anmeldung bindet auch Sie. Wenn Sie sich später als 1 Woche vor Tagungsbeginn abmelden, müssen wir eine Ausfallgebühr in Höhe von 50% der Kosten berechnen. Wenn Sie sich erst am Tag des Tagungsbeginns oder später abmelden, werden Ihnen die vollen Kosten in Rechnung gestellt.

Vormittags sind alle Sekretariate erreichbar. Einige Büros sind nachmittags nicht mehr besetzt. Sie können in diesem Fall die Nummer 02371/352-141 anrufen. Außerhalb der üblichen Bürozeiten sind die Büros nicht besetzt.

 

30. 4. – 2. 5. 2004

Tagungsort:

Ev. Tagungsstätte Haus Ortlohn, Berliner Platz 12,
58638 Iserlohn,Tel. 02371/352-0, Fax 02371/352-299

Internet:


Sie finden dieses Programm, eine E-Mail-Anmeldung und eine Anfahrtsbeschreibung unter:
www.kircheundgesellschaft.de/veranstaltungen

Krankheit und Kreativität

Lese- und Gesprächsseminar

in Kooperation mit der

Viktor v. Weizsäcker Gesellschaft

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